Polizei bringt Brombeerhecke zur Strecke

… und nachher

  So schnell ist etwas Geschichte. Jetzt kann ich meine Marmelade ins Museum stellen“, sagt Andrea in einer ersten Reaktion. Sie meint ihre Brombeermarmelade vom Vorjahr. Und die Reaktion gilt der telefonischen Mitteilung, dass die Brombeerhecke am Längenfeld gerodet wurde. Angeblich auf Anordnung der Polizei.

Was ist passiert? Was hat sie angestellt? Und überhaupt?!

Ich bin verärgert, denn beim Opfer handelt es sich um eine meiner drei Lieblingsbrombeerhecken (mehr kenn ich nicht) und die Früchte waren gerade am Reifen. Zudem ist es die Hecke, die nicht nur Andreas Marmeladegläser gefüllt hat, sondern auch die Hecke, die in unserem StadtFruchtWien-Folder abgebildet ist, samt Leiter und Mensch, der die Finger im Mund stecken hat. „Nein, ich nasche nicht, ich leck mir da gerade die blutigen Finger, weil ich mich an den Dornen gestochen hab“, lautet meine Standard-Klarstellung für die Leute, die mich am Foto erkennen.

Ist eigentlich falsch. Nicht das mit dem Blut, das mit den Dornen. Kakteen tragen Dornen, die Dornen der Brombeeren heißen botanisch korrekt Stacheln. Auch die verwandten Rosen haben in der wissenschaftlichen Wirklichkeit Stacheln und eine Gruppe von Radikalbotanikern fordert auf der Seite www.recht-auf-stacheln.com die Korrektur von 589.127 Gedichten und 1.348 Märchen (Stand vom 11. 4. 2012).

Ich verirre mich ein wenig auf der Stachel-Seite, dann kehre ich zu den „Brombeeren“ zurück und tippe noch „Polizei“ in die Suchzeile, um Genaueres zum Längenfeld-Fall zu erfahren. Ich stoße als erstes auf „Brombeeren geschlachtet“. Naja, so krass hätt ich das nicht ausgedrückt, denke ich ein wenig gekränkt, weil ich mich für den wienweit besten Übertreiber halte. Aber der nächste Klick tröstet: Die Drüberschrift kommt nicht aus Österreich, sondern aus dem deutschen Eschweiler und hat eine ganz andere Geschichte zum Sockel. Ein älteres Ehepaar behauptete von seinen Nachbarn, sie hätten am Balkon ein Tier geschlachtet. Alles blutverschmiert! Die alarmierten Beamten stießen auf friedliche Vegetarier und eine Packung tiefgekühlte Brombeeren, die am Balkon aufgetaut und ausgelaufen war. Der Einsatz, so der Bericht der Polizeistelle, trug übrigens nicht zur Verbesserung des Nachbarschaftsverhältnisses bei.

Der nächste interessante Google-Eintrag lautet „Brombeeren legten den HB Zürich lahm“. HB steht für Hauptbahnhof, und die Tat der Pflanze bestand darin, dass ein paar ihrer Zweige durch die Lüftungsschlitze in eine Trafostation (mittels Wachsen, also nach einem langfristigen Plan, sprich vorsätzlich) eindrangen und dort beim Berühren der Stromschiene einen Kurzschluss verursachten. Die „wilde Brombeere“ wurde ohne Prozess sofort ausgerissen, berichtet der Artikel und beweist das mit einem Foto von sofort ausgerissenen Brombeerzweigen.

Zurück zum Wiener Längenfeld. Die schöne, prächtige Brombeerhecke ist ausgerissen, wozu es wohl mehr als einen kräftigen MA 42-Mitarbeiter brauchte, denn das Gestrüpp war über vier Meter hoch und über fünf Meter lang und wahrscheinlich zwei Meter dick. Und warum nun diese äh Maßnahme? Google schweigt. Die Antwort mailt mir schließlich Julia vom GuerillaGarten: Die Polizei hielt die Hecke für einen Drogenumschlagplatz. „Halte ich übrigens für Schwachsinn, Konsumenten ja, Umschlagplatz geh bitte“, schreibt Julia. Und: „Wollten einfach den uneinsichtigen Platz weghaben, meiner Meinung nach.“

                        Eine Stunde später: Bei einer Inspektion des Tatortes zeigt sich, dass sich der Wurzelstock der Brombeere noch im Boden befindet. Es ist also zu hoffen, dass sie mit ihrem weit verzweigten Netz im Untergrund aktiv bleibt und im nächsten Jahr wieder austreibt und Andrea die Brombeermarmelade vom Vorjahr  auf den Esstisch stellt. 

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Comments
2 Responses to “Polizei bringt Brombeerhecke zur Strecke”
  1. sebastian sagt:

    Eine Sauerei ist das! so eins schöner Busch…. aber du kannst sicher sein, er wird wieder kommen, die dinger sind ja nicht umzubringen… :)

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  1. […] Mitunter ist so eine Gstettn dann wilder als die Polizei erlaubt. Sie ist ihr zu uneinsichtig. Die gewachsene Ordnung der Pflanzen mit ihren versteckten Unterschlüpfen und Pfaden widerspricht der geometrisch-visuellen Ordnung der Beamten. So wurde z. B. in der Nähe der U-Bahn-Station Längenfeld ein großer Brombeerstrauch umgeschnitten, da er in Verdacht stand, im Nebenberuf auf Drogenumschlagplatz zu machen. Symptombekämpfung. Die Wurzel blieb im Boden und arbeitet bereits an einem neuen Strauch. (Mehr HIER) […]



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