Fundstück – CHRISTKINDL MIT KÜRBIS-SCHÄDEL

Als erstes verschwanden die Sitzbänke und einige ihrer Besitzer. Dann kamen die Holzplatten. Rund 30 Rechtecke lagen da in der Wiese im Hof Nr. 1 des Unicampus im Alten AKH, abstrakte Flächen – nach einem Muster angeordnet, das sich den Betrachtenden auf den ersten Blick nicht äh erschloss. KUNST also. Aber was für eine?

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Zwei Tage später stand die Antwort da: Primitive BUDENKUNST. Schnick-Schnack-Kitsch. Die Rechtecke waren zu den Fußböden der Verkaufsbuden des sogenannten Weihnachtsdorfes erniedrigt worden. Also schon wieder eine KonsumZone am Unigelände. Sollten die Studierenden da nicht mit einem Schenkmarkt oder dergleichen antworten?

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Entschuldigen Sie bitte die Selbstunterbrechung: Schrieb ich vorhin tatsächlich WEIHNACHTSDORF?!

OH GOTT, DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN! Wir haben MITTE OKTOBER, die meisten Blätter hängen noch auf den Bäumen, viele haben noch nicht einmal kapiert, dass sie sich verfärben sollen, es hat 18 Grad ÜBER Null, die Menschen sitzen in T-Shirts auf den wenigen noch verbliebenen Bänken, also: WARUM?

WARUM steht das Weihnachtsdorf im Alten AKH in diesem Jahr schon Mitte Oktober herum, voll verkabelt und betriebsbereit?

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Die Arbeiter verstehe ich nicht, sprachlich. Der Portier vom Uni-Campus weiß es nicht und verweist mich auf die ÖRAG. „Die von der ÖRAG wissen alles“, sagt er. Eine ReligionsAG? Nein, die Österreichische Realitäten AG. Ihre Mitarbeiterinnen klicken oder drücken mich von Schreibtisch zu Schreibtisch und stellen mich schließlich mit einem Rückruf-Versprechen kalt. Sie kennen sich mit Realitäten aus und ahnen zu Recht, dass mir die Weihnachtsdorf-Frage nicht unbedingt unter den Fingernägeln brennt.

Drei Tage später bekomme ich dennoch einen Bescheid.

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„Juhuu! Ein ganzjähriger Weihnachtmüllmarkt!“ steht auf dem Pappkarton, den eine Outdoor-Posterin auf den Mistkübel am Beginn der Weihnachtdorfstraße geklebt hat. Wenn das jetzt eine SMS wäre, würde da sicher noch ein :)) dabeistehen, denke ich. Denn das „ganzjährig“ kann ich nicht ernst nehmen, da ich mir übers Wochenende schon meine eigene Erklärung zurechtgelegt habe:

Das Alte AKH eröffnet heuer den Budenzauber bereits am 26. Oktober, als ein neues CrossOver von Halloween & Weihnachten.

Eine Idee, die bereits im Vorjahr bei einem ArbeitsSaufen von Blutorangen-Punch Gestalt annahm.DSC_0129

Die Gestalt eines Christkindls mit Kürbisschädel.

Eines Gespenstes, das sich mit einem simplen Heiligenschein in ein Engerl verwandelt.

Eines lebenden Gerippes, das sich mit wenigen Buchstaben in eine lebende Krippe verzaubern lässt.

Die Gestalt einer Statue von Theodor Billroth, die ohne großen Aufwand als Weihnachtsmann mit Hexenbesen durchgeht …(s. Bild nebenan)

Auch Allerseelenheiligen passt natürlich gut in diese Fusion, zum Beispiel mit Totenkopf-Grabkerzen, die „HO HO HO!“ rufen.

Und vielleichtwerweiß findet der Markt mit dieser neuen Ausrichtung, in diesem Verschmelzen von Un- und Heilig, sogar noch eine Möglichkeit, die Sitzbänke samt den darauf wohnenden Obdachlosen wieder in den Park zu integrieren…

(Text und Fotos: Peter A. Krobath)

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