Journalisten-Mafia: Weihnachtsoffensive

Kaum öffnen im Spätsommer die Adventmärkte, fallen die österreichischen Medien über Bettelnde her. Das geschieht in einer Eintracht, die ganz und gar nicht zufällig ist – Dieser Artikel von Peter A. Krobath ist im Augustin  erschienen

Die erste Attacke kommt heute übers Radio. In einer sogenannten Morgenshow warnt der Moderator vor den „Bettelbanden“, die nun gerade in der Vorweihnachtszeit zu einem großen Problem würden. „Diese Krüppel sitzen vor den Geschäften herum und verderben es so der Kundschaft, sich selbst eine Freude zu machen“, sagt er, wobei nicht ganz klar ist, womit sich diese Kundschaft vor den Geschäften normalerweise „selbst eine Freude“ macht.bettleakademie-hockend

„Das wirklich Schlimme ist ja“, hetzt der Sprecher weiter, „dass diese organisierten Bettler denen das Geld wegnehmen, die es wirklich brauchen.“ Will er uns damit sagen, der Handel würde das Geld viel dringender brauchen als die Bettelnden? Wohl kaum. Wahrscheinlich hat er sich nur ungeschickt ausgedrückt, denn die von den Kapos der Journalisten-Mafia vorgegebene Lüge (wie wir sie alle über die Jahre ins Hirn getrichtert bekommen haben bis sie zum Common Sense wurde) lautet: Gebt Bettelnden kein Geld, denn das kommt nur den Hintermännern zugute, den Kapos der Bettelmafia, und nicht den armen von ihnen ausgebeuteten Menschen, die es wirklich brauchen.

Den zweiten Überfall erleide ich dann in der Straßenbahn durch eine dieser Zeitungen, die man mit den Füßen umblättert. „Bettler-Mafia: Weihnachtsoffensive“ steht da in fingerdicken Buchstaben, und allein diese Überschrift zeigt mir erneut, dass wir es hier – auch wenn das manche hartnäckig leugnen – mit einer streng organisierten Journalisten-Mafia zu tun haben. Denn es kann wohl kein Zufall sein, dass von ganz verschiedenen Journalisten und Journalistinnen in unterschiedlichen Medien und Bundesländern die exakt selbe Methode angewendet wird, mitunter sogar dieselben Gewalt-Metaphern gebraucht werden, um Bettelnde als eine Bedrohung kriegerischen Ausmaßes darzustellen:

Neben „Offensive“ und „Großoffensive“ kommen Ausdrücke wie „Belagerung“, „Im Visier haben“, „in Horden einfallen“, “Bettler-Armee“, „Invasion“ und „generalstabsmäßig“ in nahezu allen Medien des Landes beinahe gleichzeitig, quasi im Gleichschritt vor, was nur durch eine planmäßige Organisation einer die gesamte österreichische Medienlandschaft steuernden Kommando-Zentrale erreicht werden kann.

Doch zurück zu dem Artikel „Bettler-Mafia: Weihnachtsoffensive“. Letztere würde durch einen sowohl in Graz wie auch in Salzburg, Innsbruck und Wien beobachteten neuen „Trend“ geprägt – Zitat: „Die Bettler springen aus Hauseingängen und kriechen auf ihre ‚Opfer‘ zu.“  – Ob diese Opfer jetzt wieder die ums Weihnachtsgeschäft bangenden Händler oder die Konsumentinnen sind, die auf keinen Fall abgeschreckt werden dürfen, steht dahin. Wobei die vermeintliche Taktik der Bettelnden nicht wirklich schlüssig erklärt wird: Denn warum springen sie ihre „Opfer“ nicht gleich direkt an, sondern verlangsamen nach dem Sprung den Angriff und legen den Endspurt durch Kriechen zurück? Aber vielleicht soll uns das nur verdeutlichen, wie sicher sich diese Menschen ihrer Beute sind.

DSC_0214Menschen? Langjährige Beobachterinnen der Journalisten-Mafia haben sofort erkannt, dass diese geifernden Schreibtisch-Hunde wieder einmal ganz gezielt mit einer Sprache aus dem Tierreich arbeiten. Der Tradition des Antiziganismus und des Antisemitismus folgend werden die Opfer der Journalisten-Mafia auf einer angenommenen Entwicklungspyramide verbal ein paar Stufen hinuntergestoßen und in diesem sprachlichen Abgrund mit unglaublichem Killerinstinkt unter den Stiefeln der Lesenden platziert. So ist in Zusammenhang mit Bettelnden gern von „Schwärmen“ die Rede und ein Artikel beginnt z. B. folgend: „Kaum zeigt das Thermometer ein paar Grade über dem Gefrierpunkt an, schwärmen die Bettler aus“. Und was tun sie dann? „Sie grasen nun Parkplätze von Supermärkten nach ‚Opfern‘ ab“.

Der Schritt vom Tierreich zur Naturkatastrophe ist nur noch ein kleiner. Hier wurde über die Jahre neben der „Heimsuchung“ und der „Plage“ vor allem das Bild der „Bettler-Flut“ in die Hirne geschrieben und auf diese Weise ein Szenario geschaffen, hinter dem kein Tun von Menschen mehr dahinter zu stehen scheint und über das somit nicht mehr verhandelt werden kann: Denn es „wächst an“ und „bricht herein“ und kann nur noch „bekämpft“ und „eingedämmt“ werden. (1)

So überwältigend diese Gefahren laut Journalisten-Mafia auch über uns hereinbrechen, so bemüht sie sich doch hartnäckig, uns in der Wahrnehmung derselben zu schulen. Und da sich wirkliche Beweise der von ihnen heraufbeschworenen Bettel-Mafia naturgemäß nicht erbringen lassen, so müssen eben manche Strategien der Armen zu „Bettel-Mafia-Tricks“ hochstilisiert werden. Also legen sich Presse-Fotografen stundenlang auf die Lauer, um zu beweisen, dass es Bettelnde gibt, die sich bei der Arbeit auf eine Krücke stützen, und privat ohne sie zurechtkommen. Oder es werden Fotos von einer Bettlerin gezeigt, die bei der Arbeit am Boden kauert und danach einfach aufrecht steht. Und sogar telefoniert!

Auch wenn der Sensationswert solcher Reportagen nüchtern betrachtet vergleichbar ist mit einem Bericht darüber, dass Hansi Hinterseer nie wirklich blond war, bringt die in der Adventzeit ständig am Köcheln gehaltene Hetzkampagne der Journalisten-Mafia das Blut der glühweindampfenden Mediengläubigen weit mehr zum Wallen als all die Bank-und-Reichen-Rettungen, die ihnen tatsächlich das Geld aus der Tasche ziehen.DSC_0120

(1) Stefan Benedik, Barbara Tiefenbacher und Heidrun Zettelbauer, „Die imaginierte ‚Bettlerflut‘. Konstruktion, Organisation und Positionierungen in temporären Migrationen von Roma und Romnija“, Verlag Drava, ISBN 978-3-85435-689-9

(Gestern, am 11. Dezember 2014, wurde der Preis zur Wahrung und Erhaltung der Menschenrechte von der Österreichischen Liga für Menschenrechte an die österreichischen BettelLobbys verliehen. Mehr hier: http://www.bettellobby.at/ )

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Comments
One Response to “Journalisten-Mafia: Weihnachtsoffensive”
  1. akbettlerinnen sagt:

    Hat dies auf BettelLobbyWien rebloggt und kommentierte:
    Peter A. Krobaths Gedanken zu den weihnachtlichen Journalistenattacken gegen BettlerInnen

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