Meidlinger Zaun, Kapitel 3

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Bei unserer Wien-Wächst-Show Mitte Juni sangen wir beherzt „Unter dem Pflaster, ja da liegt der Garten, komm spreng die Straßen, ich kann es kaum erwarten“. Es war metaphorisch gemeint, denn wir wissen natürlich, dass das so nicht funktioniert. Dass ein versiegelter Boden ein toter Boden ist und nicht so einfach mirnixdirnix per Presslufthammer wiederbelebt und fruchtbar gemacht  werden kann.

Aber wissen das auch andere?

Vier Tage nach der Show begannen jedenfalls Straßenarbeiter in Meidling, den Asphalt zu sprengen. Und wir fragten uns: Wollen sie hier vor der Arcade Meidling nun einen GemüseGarten angelegen und Obstbäume pflanzen? Oder wollen sie ganz einfach eine andere Forderung von uns erfüllen, also den Zaun wegreißen, der ein Jahr lang das Sitzen im öffentlichen Raum behinderte (- nachzulesen HIER)?

Wir fragten uns das alles freilich nur spaßeshalber. Wir erfuhren bereits im Vorfeld, was gespielt wird. Der letzte Akt von „Attraktivierung der Meidlinger Hauptstraße“. Das wussten wir, weil wir einen Monat zuvor 20 Meidlinger Bezirkspolitiker_innen angeschrieben hatten, um zu erfragen, wer den Zaun am Arcade-Vorplatz errichten ließ, und warum, und ob sie sich für dessen Beseitigung einsetzen wollen und wenn nein, warum nicht? Wir bekamen dazu, es ist Vorwahlzeit, acht Antworten:

–Ein ÖVP-Politiker, der unser Mail nicht genau gelesen und wohl auch das angehängte Foto übersehen hatte, schwadronierte über einen anderen Zaun, den Zaun auf der Seite des Fahrradweges: Ja, der soll beseitigt werden und das Radfahren verboten.

–Ein weiterer ÖVP-Politiker schrieb: „Gerne möchte ich Ihnen Auskunft über dieses Projekt erteilen. Leider kann ich Ihnen aber nur mitteilen, dass im Zuge der Erneuerung des Platzes auch dieser Zaun errichtet wurde. Dies war soweit ich informiert bin ein Wunsch der Bewohner, die dort in der Nähe wohnen.“

–Eine Politikerin der Grünen antwortete, dass sie die Entfernung dieses Zaunes unterstützen und bei der nächsten Bezirkssitzung eine Anfrage zu diesem Thema stellen werden, „warum der Zaun errichtet wurde und wer die Errichtung veranlasst hat“.

–Die SPÖ-Bezirksvorsteherin teilte uns mit, dass im Zuge des Umbaus der Meidlinger Hauptstraße inklusive des Vorplatzes Arcade Meidling „die Entfernung des anfragegegenständlichen Geländers“ unmittelbar bevorstehe.

–Ein SPÖ-Politiker antwortete, dass die Bezirksvorsteherin antworten werde.

Eine weitere SPÖ-Politikerin schrieb, dass die Bezirksvorsteherin bereits darauf geantwortet habe.

–Als nächstes antwortete ein FPÖ-Politiker des Bezirks: Wer den Zaun zu welchem Zweck errichtet habe, sei ihm nicht bekannt. Die Beschwerden über Verunreinigungen in diesem Bereich und „zweckwidrige Nutzungen“ desselben hätten aber seit Errichtung des Zaunes deutlich abgenommen.

–Dann meldete sich ein weiterer ÖVP Bezirkspolitiker: „Meines Wissens nach arbeitet Polizei und Bezirksvorstehung im Bezirk Hand in Hand. Aufgrund einiger Polizeieinsätze wegen div. Vorfälle mit Obdachlosen und Bettlern, Anrainerbeschwerden und Beschwerden von Geschäftsleuten dürften die zuständigen Magistratsdienststellen die Maßnahme (Zaun) veranlasst haben. Die Wünsche der Bürger im Bezirk sollten respektiert werden.“

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  Fazit: Niemand der acht Antwortenden weiß anscheinend, wer warum diesen Zaun errichtet hat. Oder will es uns nur niemand sagen? Zwei ÖVP-Politiker stellen Vermutungen an. Eine Grün-Politikerin will bei der nächsten Bezirkssitzung nachfragen. Keiner und keine kommt auf die Idee, dass es in der Verwaltung eine Stelle gibt, in der die Antworten auf unsere Fragen dokumentiert sein sollten.

Nachtrag, 2. 7. 2015: Die Grünen haben tatsächlich ihre Anfrage gestellt. Die Bezirksvorsteherin hat sie (absichtlich?) missverstanden und sich offensichtlich auf den aktuellen Zaun beziehend geantwortet, es handle sich um einen Bauzaun. Wie schon einmal an anderer Stelle festgestellt: Die Wiener Politik und ihre Magistrate sind so transparent wie die Wiener Flaktürme. In diesem Fall vielleicht verständlich – Zu sagen: „Wir haben extra einen Zaum gebaut, um Obdachlose vom Vorplatz des Einkaufszentrums zu vertreiben“, klingt für eine Partei, die das Wort sozial in ihrem Namen trägt, nicht wirklich sexy. Schon gar nicht in Vorwahlzeiten.

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