Der MaulbeerProduzent

Vor kurzem meldete sich eine TageszeitungsJournalistin per Mail. Sie suchte ein Thema für die Kulinarik-Seite und fragte,

Der Maulbeerbaum an der Rossauerbrücke ist in zwei Etagen bepflückbar. Neben Menschen naschen hier Tauben und Enten die süßen Früchte.

Der Maulbeerbaum an der Rossauerbrücke ist in zwei Etagen bepflückbar. Neben Menschen naschen hier Tauben und Enten die süßen Früchte.

welches Obst aktuell geerntet werden kann.

„maulbeeren“, fiel mir da ein.

klingt spannend – kennen sie zufällig auch maulbeerproduzenten? / also in größerem stil?

nein kenn ich nicht – bei uns wird’s dergleichen wohl auch nicht geben. in türkei, iran etc. werden maulbeeren getrocknet und als solche oder als mehl verkauft…

Die Kollegin dankte mit Doppelpunkt und geschlossener Klammer und einem „vielleicht finde ich ja doch noch einen…“.

Eine Hartnäckigkeit, die wahrscheinlich durch die Vorgabe bedingt wird, für die Kulinarik-Seite immer auch einen passenden Werbekunden zu finden. Pointiert gesagt: Ohne Maulbeerenfabrik existieren in dieser Zeitung keine Maulbeeren.

Auch ich bin hartnäckig (Warum eigentlich? Weil ich hoffe, dass die Chancen für das „Gute Leben für Alle“ noch nicht vergeben sind?), und so versuchte ich der Journalistin das Maulbeeren-Thema noch einmal schmackhaft zu machen:

ist nicht gerade DAS das spannende an den maulbeeren in wien und österreich, dass sie nicht produziert werden, nicht im supermarkt zu kaufen sind, mensch also einen maulbeerbaum im öffentlichen raum suchen und die maulbeeren dort pflücken muss, kurzum, dass das maulbeer-naschen immer mit einem ganz bestimmten ort und den begegnungen dort (mit anderen maulbeer-nascherinnen oder den maulbeerbeschwipsten tauben) verbunden ist, dass das maulbeeressen bei uns also immer eine eigene geschichte hat. – das zeug aus dem supermarkt hat die nicht, da können sich die werbefuzzis noch so sehr bemühen…

In den letzten Jahren beerntete Stadtfrucht Wien den Maulbeerbaum im Siegmund-Freud-Park. Mittlerweile wird er von den dort übernachtenden Obdachlosen genutzt.

In den letzten Jahren beerntete Stadtfrucht Wien den Maulbeerbaum im Siegmund-Freud-Park. Mittlerweile wird er von den dort übernachtenden Obdachlosen genutzt.

Was gibt es Süßeres als eine frische, reife, sonnenwarme Maulbeere…

Auf derlei Abenteuergeschichten wollte oder konnte sich die Kollegin nicht einlassen.

Dabei sollte es viel mehr davon geben.

Von den lokalen Sammel- und EssensGeschichten.

Und von den Maulbeerbäumen.

An der Böschung neben den Gleisanlagen in Floridsdorf (zwischen Bahnhof und Bodenstedtgasse) gibt es eine ganze Reihe, quasi eine halbe Allee.

Ansonsten stehen die Maulbeerbäume in Wien eher vereinzelt herum.

Die meisten davon hat das Stadtgartenamt Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre aufgezogen.

Höchste Zeit also, weitere zu pflanzen.

Und sollte das in größerem Stil passieren, gäbe die MA 42 dann vielleicht sogar einen für die Presse tauglichen Maulbeerproduzenten ab.

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Comments
3 Responses to “Der MaulbeerProduzent”
  1. ich glaub, der erich stekovits – http://www.stekovics.at/ – hat etliche wieder angepflanzt und tut/will sie auch verarbeiten…
    bei uns in der gegend stehen zwar auch einige, sind aber ordentlich zurückgestutzt worden…

    • Paul Kuserutzky sagt:

      Danke für den Hinweis!
      Vor allem für den dort erfahrenen Tipp, die Maulbeer-Marmelade mit den sauren Weichseln zu kombinieren

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  1. […] letzten Blog-Eintrag war von den Begegnungen und Geschichten die Rede, die das Sammeln in der Stadtnatur […]



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