Mombeeren & Braulbeeren

DSC_1314Im letzten Blog-Eintrag war von den Begegnungen und Geschichten die Rede, die das Sammeln in der Stadtnatur normalerweise eher hevorbringt als das Einkaufen in der SupermarktMaschine. Was auch daran liegt, dass dem Bedürfnis, einen ErfahrungsAustausch mit anderen SupermarktKundinnen zu suchen („Haben Sie auch schon entdeckt, dass die Butterkekse in der hinteren Regalhälfte im Gang drei in diesem Sommer besonders knackig sind“) etwas WahnWitziges anhaftet, das es zu verstecken gilt, um nicht die ganze Einrichtung als Irrenanstalt zu entlarven.DSC_1311

Das Weitergeben von Wissen unter Sammlerinnen und Sammlern erscheint dagegen vollkommen natürlich und kommt dementsprechend häufig vor (abgesehen von den etwas geheimnis-krämerischen PilzSuchenden). Es ist eine mündliche Schule in den GrundlagenFächern NahErnährung, CommonsMapping, MagistratsPolitik und KüchenTratsch. Als ich vor einigen Tagen von der  RossauerBrücke aus sah, dass am DonaukanalUfer ein MaulbeerSammler das Schütteln an den hohen Äste mit einem darüber geworfenen Seil bewerkstelligte, ließ mich die Neugier folglich stante pedale abbiegen.

Tatsächlich kam auf der Stelle ein reger Austausch zustande. Bruno – so hieß der 58jährige Sammler, den ich sofort ins Herz schloss – stellte sich als ein Vielwissender in Sachen Maulbeeren heraus: Er kennt in Wien gut doppelt so viele Maulbeerbäume, wie in der Mundraub– und Fruchtfliege-Karten zusammen verzeichnet sind, und er reproduziert diese Bäume über Samen – dazu eines Tages ein ausführlicher Beitrag.

DSC_1097In der Slowakei werden Maulbeeren mit Brombeeren gekreuzt und diese Setzlinge im großen Stil nach Kuba verkauft, erzählte Bruno. Wer eine Ahnung davon bekommen will, wie diese Mombeeren oder Braulbeeren (die Namen sind verbesserungs-würdige Eigenkreationen) schmecken, muss die RossauerBrücke überqueren und am Donaukanal noch ein Stückchen gegen den Strom radeln oder gehen, und nach dem RossauerSteg sich bei den zwei Maulbeerbäumen neben dem Fahrradweg mit Früchten eindecken und damit rund 20 Meter zu den Brombeerstauden zur Uferböschung hinunter wandern. Sich drei Maulbeeren gleichzeitig mit drei Brombeeren in den Mund zu stecken und auf der Zunge zergehen zu lassen – das ist bereits die hohe Kunst des Kochens (all die EdelstahlKüchen, HochglanzBroschüren und HaubenRankings sind im Grunde nur Beiwerk).

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