Nach der Empörung – Das neue Buch von Klaus Werner-Lobo

Macht ist die Hölle auf Erden, schreibt die Astrid Lindgren, schreibt der Klaus Werner-Lobo.“ DSC_0116

Klingt gut. Im ersten Moment…“

Und im zweiten?“

„Äh, weiß nicht, da frag ich mich: Wenn Macht die Hölle auf Erden ist, was ist dann die Ohnmacht?“

Stimmt, voll. Aber vielleicht meint sie das eh so, dass eigentlich die Ohnmacht die Hölle ist. Und wer beschert uns die Ohnmacht? Eben.“

Also ohne Macht keine Ohn-Macht. Äh, ist das paradox?“

„Ja voll, ich liebe Paradoxe.“

Aber was, bitte sehr, was, wenn jetzt keine Macht gar nicht möglich ist, weil immer äh Macht da ist, irgendeine, so wie meine Macht über die Gabel hier, was dann?“

Dann geht’s um eine gerechte Verteilung.“

Aha. Okay. Gut, die nächsten äh fünf Minuten kannst du die Gabel haben.“

Apropos: Gibt’s noch ein Stück Kuchen zur Gabel?“

Soweit der Live-Einstieg in die von Wissenschaft unbelastete Denkerei unserer WG-Philosophinnen Paul Kuserutzky und Alexandra Popp.

Wer sich mit dem Begriff Macht seriöser auseinandersetzen will, dem sei das Büchlein „Macht“ von Wilhelm Berger ans Hirn gelegt – http://www.beck-shop.de/fachbuch/leseprobe/9783825232320_Excerpt_001.pdf

Interessant am Lindgren-Zitat von der Macht, welche die Hölle auf Erden sei, ist in unserem Zusammenhang vor allem folgendes: Es steht als Motto über dem ersten Kapitel des neuen Buchs von Klaus Werner-Lobo. Also von jenem Klaus Werner-Lobo, der gerade einen fünfjährigen Ausflug in die Gefilde der Wiener Macht hinter sich hat. Oder sagen wir: Der den großen Zehen in die Wiener Macht gesteckt und ihn dann wieder rausgezogen hat. Rechtzeitig. Noch bevor er abgebissen war oder gar angefault.

DSC_0384Als Klaus Werner-Lobo 2010 auf Seiten der Grünen in die Partei-Politik quer-einstieg, machte das manche in der Aktivistinnen-Szene nachdenklich. Begeht er einen Fehler, gar einen Fehltritt? Oder ist es ein richtiger Schritt, ein konsequenter, ein „erwachsener“ Schritt? – Nun, im Nachhinein, gibt es zu diesen Überlegungen doch sowas wie eine Antwort. Das die nicht euophorisch ausfällt, lässt sich bereits im Untertitel des Buchs erahnen: „Was tun, wenn wählen nicht mehr reicht“, heißt es da.

Die „Abrechnung“ mit den letzten fünf Jahren beschränkt sich in diesem Buch aber auf wenige Seiten: Da wird Colin Crouch‘ Analyse der Postdemokratie zitiert, in der Wahlkämpfe reines Spektakel sind und sich keine politische Partei mehr getraut, mit guten Argumenten für politische Ziele Mehrheiten zu gewinnen. Dann wird es konkreter: Einigen der Wiener Grünen wirft Werner-Lobo vor, ihre Ideale über Bord geworfen zu haben und „nur noch den Erhalt des eigenen Mandats zum Schwerpunkt der Aktivitäten zu machen. Sie erlernten machiavellistische Methoden des Machtserhalts und der Intrige auch gegen politische Verbündete, bildeten Seilschaften …“ Was dazu führte, „dass politische und werteorientierte Inhalte in den Hintergund traten, informelle Machtzirkel innerhalb der Partei und ExpertInnen für Werbung und Public Relations mehr Einfluss auf das Setzen politischer Schwerpunkte und die öffentliche Kommunikation gewannen als gewählte MandatarInnen.

Marketingstrategie nach Vorbild großer Konzerne, Vermeidung von Dissens und Konflikten, Uniformitätszwang, der Verrat grundlegender politischer Ziele – so die Vorwürfe des ehemaligen Kultursprechers der Wiener Grünen. Wobei er keiner und keinen der einzelnen AktuerInnen die Schuld gibt, sondern dem System, dem „System der Macht“. Denn, so die Überschrift des Kapitels, das dieser Kritik folgt: „Macht korrumpiert. Immer“.

Was tun? fragt der Autor nach einem Drittel des Buches. „Was tun, wenn wählen nicht mehr reicht, wenn Politik und Parteien versagen und Priviligierte ihre Macht missbrauchen, um diese zu verteidigen und sich auf Kosten von Umwelt, Demokratie und Menschenrechten zu bereichern?“ DSC_0239

Die Antwort in Kurzfassung steht gleich daneben: „Dagegen hilft nur Selbstermächtigung, Information, solidarisches Handeln und aktiver Widerstand. Manchmal auch gegen bestehende Unrechtsgesetze.“ In den weiteren zwei Dritteln von „Nach der Empörung“ findet sich die Langfassung dazu: Begriffsklärungen, Beispiele, strategische Überlegungen und Handlungsanleitungen für einzelne und Gruppen, die sich engagieren wollen – Kurzum: Aktivismus für Einsteigerinnen. Ein nützliches Nachschlagewerk für all jene, die mit der großen Transformation lieber heute als morgen beginnen wollen.

Mi, 30. März 2016, 19.00 Uhr, NACH DER EMPÖRUNG, Buchpräsentation Klaus Werner Lobo, Moderation Robert Misik, Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, Armbrustergasse 15, 1190 Wien

Buchpräsentation: Do., 17. März, 19:30, Buchhandlung Kuppitsch, Schottengasse 4

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