HAUSBESETZUNG in Hietzing

Wir sind umgezogen“, verkünden die Aktivistinnen der Gruppe evora.

Warum das? Was ist passiert? Was machen Hausbesetzerinnen, wenn sie umziehen?

Genau, sie besetzen ein Haus.

Wobei die Bezeichnung Haus diesmal eine Untertreibung ist:

Die neue Adresse der Gruppe lautet Jagdschlossgasse 25. Es handelt sich dabei um die ehemalige Gesundheits- und Krankenpflegeschule von Lainz.

Hier ein kurzer Steckbrief:

1872 – erbaut vom Arzt Theodor Ritter von Hittnern als „Heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke“, andernorts auch „Privat-Irrenanstalt“ genannt

1913Verkauf der gesamte Anlagen (1,5 Hektar) an die Gemeinde Wien, die sie dem schon bestehenden Versorgungsheim Lainz als Pavillon XIX angliedert.

1924 Die Gemeinde richtet im Auftrag des damaligen Stadtrates für Wohlfahrt, Prof. Dr. Julius Tandler, in dem Gebäude die dritte Schwesternschule eines städtischen Krankenhauses ein

1986 bis 1988Der mittlere Gartenflügel wird durch einen Zubau verlängert. Unterrichtsräume, die auch als Festsaal dienen, und Schülerwohnräume werden neu geschaffen.

1998 bis 2001 Hörsäle, Prüfungszimmer, diverse Funktions- und Aufenthaltsräume sowie eine großzügig angelegte Bibliothek und Computerarbeitsplätze für Schüler werden neu geschaffen.

2013 – Jänner: Schließung von Schule „für allgem. Gesundheits- und Krankenpflege“ und Wohnheim, Dezember: Beschluss der Bezirksvertretung Hietzing, dass die Gebäude weiterhin für Bildungszwecke genützt werden sollen

2014 – März: Im Zuge eines Veräußerungsverfahrens verkauft die Wiener Standortentwicklung (WSE) das Objekt an den Bauträger BAI, die Immobilienentwicklungstochter der Bank Austria. Diese plant neben Erhaltung und Aufstockung des schlossähnlichen Haupttracks drei Neubauten und in Summe 57 freifinanzierte Eigentumswohnungen mit „großzügigen“ Terrassenflächen (plus 79 PKW-Stellplätze). Projektierte Bauzeit: 2017 bis 2019

2017 – Jänner: Die Bank Austria verkauft die BAI um kolporierte (Trend) 150 Millionen an Rene Benko (Signa Holding) und eine Investorengruppe um Ex-ÖBB-Chef Martin Huber. Benko, 2011 „Mann des Jahres“ (Trend) wurde 2012 wegen „versuchter verbotener Interventionen“ (Schmiergeld) zu einem Jahr bedingt verurteilt. Die Signa Holding ist Österreichs größtes privates Immobilienunternehmen, besitzt ein Immobilienvermögen von mehr als 6 Milliarden Euro, gehört zu den großen privaten Immobilieneigentümern in den Innenstädten von Wien und Innsbruck, das derzeitige Projektentwicklungsvolumen liegt bei rund 5 Milliarden Euro.

Kurzum: Eine weitere Privatisierung für die „Stadt der Reichen“. Die Stadt in Form der WSE verscherbelt ihren Besitz, ignoriert die Wünsche des Bezirks, und bricht ihren eigenen hehren Vorsatz, sich um „leistbares Wohnen“ zu kümmern, indem sie bei diesem Projekt nicht nur frei finanzierte Eigentumswohnungen zulässt , sondern sogar ausschließlich frei finanzierte Eigentumswohnungen.

Vier Jahre und vier Monate lang stand das Gebäude leer. Nun ist es wieder belebt. Und die neuen Bewohnerinnen haben einen Traum: „Wir sehen in diesem Objekt die Möglichkeit solidarische Landwirtschaft und selbstorganisiertes Leben zu verwirklichen.“ Unterstützerinnen sind willkommen … 

P.S.: Im Park der Anlage sind auch Apfel-, Birnen- und Mirabellenbäume. Und ein kleiner Hollerstrauch. Der blüht gerade …

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Comments
2 Responses to “HAUSBESETZUNG in Hietzing”
  1. Dr. Albert Cerny sagt:

    Selbstredend bin ich im ersten Augenblick ob dieser „Sache“ sprachlos!

    Was können wir Mutbürger machen?
    Ausstellungen, Konzerte und viele Unterschriften machen.

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  1. […] Was es mit dem Objekt und Areal auf sich hat, wurde in einem Beitrag vor zwei Tagen erläutert: https://stadtfruchtwien.wordpress.com/2017/05/14/hausbesetzung-in-hietzing/ […]



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