1918 – Streiks, Revolten und Aufstände in Österreich-Ungarn

Der Jahreswechsel von 1917 auf 1918 war in Wien „alles in allem ein recht kriegsmäßiger Silvester“ (Neues Wiener Journal). Wer hat schon Lust sich anzustellen, um das Springen der Turmuhr des Stephansdoms auf Mitternacht abzuwarten, wenn das Anstellen zum Alltag gehört, um Essbares zu ergattern, schreibt der Historiker Edgard Haider in dem gerade erschienenen Buch „Wien 1918 – Agonie einer Kaiserstadt“ (Böhlau Verlag). „Auch den übermütigen Burschen ist die Lust aufs ‚Anrempeln‘ und Belästigen von Frauen – weil halt Silvester ist – vergangen.“ Im Gaswerk Simmering findet in jener Nacht ein besonders grässlicher Mord statt. Im sogenannten Ofenhaus wird ein 15-jähriger Hilfsarbeiter tot aufgefunden, dem ein längliches Stück Fleisch aus dem linken Oberschenkel geschnitten wurde – dessen Verbleib bleibt ungeklärt.

Soweit ein recht grelles Schlaglicht auf die sozialen Zustände in unserer Stadt vor 100 Jahren. Über das hier angeführte Buch zu einem späteren Zeitpunkt mehr – es muss erst gelesen werden.

Einen besonderen Aspekt jener Zeit betrachtet der auf die Geschichte von sozialen Bewegungen spezialisierte Autor Robert Foltin. Unter dem Titel „1918Streiks, Revolten und Aufstände in Österreich-Ungarn“ verfolgt er

auf seinem Blog (http://robertfoltin.net/?Archiv/1918%3A-Streiks%2C-Revolten%2C-Aufstaende )

und auf Facebook (https://www.facebook.com/1918-Streiks-Revolten-Aufst%C3%A4nde-in-%C3%96sterreich-Ungarn-318761778628948/?modal=admin_todo_tour ),

was sich 1918 diesbezüglich jeden Tag ereignete.

Zum Beispiel am 14. Jänner 1918:

In St. Pölten verlangt eine Deputation von Arbeiterinnen Ersatzprodukte für die zu kürzende Mehlration. Sie drohen mit der Demolierung der Mehlläden und Lebensmittelgeschäfte.

Um 7 Uhr 30 legt die Belegschaft der Daimler-Motoren-werke in Wiener Neustadt die Arbeit nieder und die Arbeiter_innen ziehen in die Stadt. Im Laufe des vormittags schließen sich andere Fabriken an (Lokomotivfabrik, Fabrik für Heizungsanlagen, Flugzeugwerk, Munitionswerk), sowie die Arbeiter_innen von Lichtenwörth. Tausende demonstrieren, die Fenster des Rathauses werden mit Steinen beworfen und eingeschlagen.

Am Mittwoch, den 17. Jänner, um 19 Uhr, gibt eine eine Veranstaltung mit Robert Foltin im w23 (1010 Wien, Wipplingerstraße 23, im Stiegenabgang) zum Thema

Als die Revolution in Österreich ankam! Jännerstreik 1918!

Ein besonderer Aspekt dabei:
„… In der linken Geschichtsschreibung werden Frauen* am Rande erwähnt, obwohl sie die Hungerdemonstrationen seit 1916 dominierten und in allen Streiks eine hervorragende Rolle spielten. In den sich im Jännerstreik bildenden Räten spielten sie allerdings eine nur untergeordnete Rolle. Die Frauen* waren ‚zu undiszipliniert‘ und ‚zu unpolitisch‘, behaupteten zumindest die Sozialdemokratie und große Teile der radikalen Linken!“

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