Die Firma Kelly meint, ihr Produkt „Zigeunerräder“ lässt sich nicht umbenennen – Ein Irrtum: „Geht nicht, gibt’s nicht“

Im Lauf der letzten 40 Jahre ist die Bezeichnung „Zigeuner“ aus dem offiziellen Sprachgebrauch verschwunden, aus amtlichen Verlautbarungen, kirchlichen Verkündigungen oder Medienberichten – der Grund dafür ist eine Selbstverständlichkeit und auch weitgehend bekannt:

„‘Zigeuner‘ ist eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird – so haben sich die Sinti und Roma nämlich niemals selbst genannt“, stellt der Zentralrat Deutscher Sinti & Roma klar (http://zentralrat.sintiundroma.de/sinti-und-roma-zigeuner/ ).

Zudem: Die Bezeichnung „Zigeuner“ war nie wertneutral und ist das auch heute nicht. Sie ist untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen. Sie steht im Kontext einer langen Verfolgungsgeschichte, die im nationalsozialistischen Genozid kulminierte.

Heutzutage taucht das Wort noch in rechtsradikalen Publikationen und Kommentaren auf. Und hie und da als „Zigeunerbaron“ auf einem Operetten-Spielplan. Und als „Zigeunerschnitzel“ auf einer Speisekarte – wobei gesagt werden muss, dass in den letzten Jahren zahlreiche Gaststätten auf die Bezeichnung „Paprikaschnitzel“ umgestiegen sind, wie das Gericht auch schon im 19. Jahrhundert hieß (http://www.sprachlog.de/2013/08/16/lustig-ist-das-rassistenleben/ ). Nicht zuletzt taucht der „Zigeuner“ heute noch in Produktnamen der Lebensmittelindustrie auf, zum Beispiel bei den „Zigeunerrädern“ der Firma Kelly in den Regalen von Rewe-Billa.

Die Bitte einer Kundin auf diesen Namen zu verzichten, beantwortete nun die Marketingabteilung der österreichischen Firma Kelly mit dem Hinweis, dass „Zigeunerräder“ ein vom Konsumenten seit den 1950er Jahren „gelerntes“ Produkt sei und eine Namensänderung ganz sicher einen Kaufrückgang zur Folge hätte. Zudem wird versichert, dass die Firma keine Randgruppe beleidigen oder politisch Stellung nehmen wolle.

Ein „gelerntes Produkt“. Das könnte auch „vollkommener Rassismus“ genannt werden, schreibt der Blogger Bernhard Kraut, bei dem übrigens der gesamte Wortlaut des Kelly-AntwortMails nachgelesen werden kann: https://pronoever.com/ . Was der Autor darunter versteht: „Das Kennzeichen eines vollkommenen Rassismus ist, die Lehrenden wissen bewußt nicht mehr, daß sie Rassismus verkaufen, und die Lernenden wissen bewußt nicht mehr, daß sie Rassismus kaufen.“

Sie wissen es nicht. Bewusst? Ich glaube, dass es die Firma Kelly nicht böse meint und wahrscheinlich wirklich annimmt, nicht politisch Stellung zu nehmen, obwohl sie durch die Bezeichnung „Zigeuner“ gerade das tut. Darum will ich mit diesen Zeilen zu einem Erkenntnisgewinn und einer Bewusstseinsbildung in der Management-Etage des bekannten Knabberei-Produzenten beitragen.

Es gibt wichtigere Probleme, genau. Das sollte für die Firma nur ein weiterer Grund dafür sein, sich nicht länger an diesen Produktnamen zu klammern. Und dass eine Namensänderung ein nicht zu bewältigendes Problem sei, lasse ich nach dem Ansehen des folgenden Videos ganz und gar nicht gelten. Denn hier gibt Firmengründer Herbert Rast gefühlte Hundert Mal sein Erfolgsrezept zum Besten: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ (Warnung: Was da in den Anfängen der Firma so alles „ging“, kann das eine und andere „na Servas!“ hervorrufen)

Autor: Peter A. Krobath

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Comments
One Response to “Die Firma Kelly meint, ihr Produkt „Zigeunerräder“ lässt sich nicht umbenennen – Ein Irrtum: „Geht nicht, gibt’s nicht“”
  1. Heribert Neger sagt:

    Die Firma Kelly gibt’s nicht.

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