Erste HASELNÜSSE, die CONCHITA-WURST-Eugenik und allerletzte CHEMTRAILS

Vorgestern Nachmittag besuchten mein Sohn und ich die Schneckenfarm im KarlsGarten – ein relaxtes Sonntagsprogramm. Bei der Gelegenheit machten wir einen Abstecher zu den Haselnussbäumen gegenüber der Straßenbahn-Station Karlsplatz.

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Unter einem der Bäume sehen wir einen Mann mit hellblauer Regenjacke, der hie und da eine Nuss aufhebt. Er macht das ein wenig verstohlen – schlendert ein paar Meter, bückt sich dann beiläufig und hebt die Nuss auf ohne direkt hinzuschauen. „Soll ich ihn ansprechen?“ – „Ja, warum nicht?“ – „Naja, entweder glaubt er, das Haselnuss-Sammeln ist hier verboten oder er ist ein bisserl dings.“

Ich spreche ihn an. Frage ihn, ob er die Haselnüsse noch trocknet oder röstet, bevor er sie isst. Nein, er esse sie einfach so. Einfach so? Ja, sagt er und zieht zum Beweis einen Nussknacker aus der Hosentasche, knackt eine Haselnuss auf und steckt sich die noch bleiche Nuss in den Mund.

„Heuer sind sie früher reif, oder?“ frage ich. „Manche sind schon reif, andere Bäume tragen überhaupt nichts“, sagt der Mann. „Naja, kein Wunder, sie besprühen sie ja“, fügt er hinzu, geht ein paar Schritte, kommt zurück. „Wer besprüht die Bäume?“ frage ich. – „Die besprühen uns ALLE, mit Valium und so, um uns besser zu kontrollieren. Das Wetter kontrollieren sie auch schon.“ – „Mit den Dings, den Chemtrails?“ frage ich, weil mir eine Freundin einmal von diesem Hirngespinst erzählt hat. Er nickt mehrmals, geht ein paar Schritte, holt sich eine Nuss.DSC_0503

Obwohl er manche Wörter betont, spricht der Mann eher leise. Er wirkt schüchtern. Jedenfalls nicht wie einer, der sich in ein Wahngebilde verstrickt hat und andere davon überzeugen muss. „Aber das klingt schon etwas nach Verschwörungstheorie“, werfe ich ein, vorsichtig, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen. Er scheint nicht beleidigt, den Vorwurf zu kennen. Nein, die Sache sei schon lange geplant, erklärt er, der Plan stehe schon in der Bibel, könne ich jederzeit nachlesen.

Dann wird es etwas schwierig, den Argumenten zu folgen. Von der Lüge der Evolutionstheorie ist die Rede: „Die haben uns eingeredet, dass es einen Urknall gegeben habe, BUMM!, und dann entwickelt sich das einfach alles und wir stammen irgendwie vom Affen ab. Völliger Unsinn! Aber fast alle glauben dran.“ Er schüttelt den Kopf:

Die Menschen seien ganz gezielt gezüchtet worden, GEZIELT, 36 unterschiedliche Menschenrassen, sagt er. Von einem Chip ist die Rede, der demnächst in jedes Menschenhirn implantiert werden soll, und von den Freimaurern – ob diese die potentiellen Implantierer sind, ist nicht so klar. Laut dem Haselnuss-Sammler geht es nicht nur um Manipulation, also darum, uns als Sklaven zu halten, oder uns einzureden, dass CO2 gefährlich sei, sondern auch um Eugenik: 25 % der US-Amerikaner seien schon zeugungsunfähig, und die Conchita Wurst sei dazu da, um Hermaphroditen aus uns zu machen. Sie selbst wisse das gar nicht, räumt der Mann gnädigerweise ein. All das habe jedenfalls 2003 begonnen, sagt er, und 2018 sei es dann endgültig soweit:

Da beherrschen sie das Wetter ganz, auch eine neue Währung werde es geben. Wie das nun wieder zusammenhängt und ob es dann endlich Geld regnen wird, erzählt der Mann nicht. „Wetterkontrolle, 1976, UNO“, sagt er nur. Das solle ich googeln, da werde ich schon sehen, alles sei schon lange geplant.

Ich gebe meinem Sohn ein Zeichen, dass es wenig Sinn habe, Einwände zu machen. Ich verspreche dem Mann, zu googeln, und er radelt davon. Wir holen ein Österreich aus dem Zeitungsständer, tapezieren den Korb auf meinem Gepäcksträger damit aus und füllen ihn mit Haselnussnestern. Zu Hause gebe ich ins Suchfeld „Wetterkontrolle, 1976, UNO“ ein und stoße auf die ENMOD-Konvention der UNO, in der es um Abrüstung geht und unter anderem um ein Verbot von möglichen „Wetterwaffen“. Dann überfliege ich die Chemtrail-Geschichte: http://www.psiram.com/ge/index.php/Chemtrail und mache auch einen Abstecher zu diesem Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Weltordnung_(Verschw%C3%B6rungstheorie)

Seltsam, ich dachte in den letzten Jahren, die Weltverschwörungstheorien seien am Verschwinden, die Menschen hätten endlich wieder ein Interesse an den konkreten Hintergründen, an Geschichte und Philosophie, an Selbstermächtigung, am Politisch-Werden. Aber DIE Menschen gibt es nicht, und auch nicht die EINE Entwicklung, und so existiert anscheinend nicht nur eine Sehnsucht danach, die komplexen Zusammenhänge besser zu verstehen, sondern auch die nach der ganz einfachen Freund-Feind-Antwort (Komplexität wird hier mitunter durch Verworrenheit vorgetäuscht).

Nur eines noch zur Chemtrail-Geschichte: In Österreich waren es – wenig überraschend – Nationalratsabgeordnete der FPÖ, denen diese Verschwörungstheorie über die GroßeManipulation plausibel genug erschien, um diesbezüglich eine Anfrage an das Landwirtschaftsministerium zu stellen.

Apropos braun, die Haselnüsse:  DSC_0505

Die holen wir nun aus der Blatthülle und legen sie zum Trocknen aufs Fensterbrett. Drei, vier Wochen lang. So lange wird es wohl auch noch Haselnüsse in Wien zu ernten geben. Zum Beispiel beim Karlsplatz, im Auer-Welsbach-Park, im Tigerpark, im Wasserpark, auf der Donauinsel oder in der Nähe des Donauturms.

Der besondere Haselnussbaum im Park des Schloss Liesing lebt nur noch in der Sage fort.

Text und Fotos: Peter A. Krobath

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