SoliLa!-Landbesetzung – Hintergründe

Landbesetzungen sind hierzustadt so neu, dass viele Menschen über deren Hintergründe noch weitgehend uninformiert sind. Vorneweg also folgendes:

Den SoliLa-Aktivist_innen am besetzten Acker im Donaufeld geht es nicht darum, ein Stück Land zu rauben und irgendwelche Profite aus der Erde zu pressen.

Sie sind auch keine bei einer Grätzlgarten-Verlosung zu kurz gekommene Sonntags-Gärtner_innen, die sich jetzt an der Gemeinde rächen wollen.

Und sie graben nicht in der Erde, um die Frustration über irgendeinen dummen Job therapeutisch aufzuarbeiten.

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Die Landbesetzung ist eine politische Aktion. Es geht darum, ein lebensnotwendiges Bedürfnis wie die Ernährung wieder in die eigene Hand zu nehmen, und auf die katastrophalen Auswirkungen hinzuweisen, welche die Unterwerfung all unserer Lebensbereiche unter das Verwertungs- und Profitstreben der Wirtschaft hat.

„Die Erde wurde von uns nicht geschaffen. Die Erde hat uns geschaffen. Die Erde kann uns nicht gehören. Daher gehört sie niemandem. Und daher gehört sie allen, allen gleichermaßen, ohne Ansehung von Geschlecht, Herkunft, Alter, Meinung, Tun oder Lassen“, plädierte Andreas Exner anlässlich der SoliLa!-Besetzung auf dem Social-Innovation-Network-Blog.

Die Erde gehört schon längst nicht mehr allen. Im Gegenteil: Landwirtschaftliche Flächen werden in einem Tempo für Straßen, Parkplätze, Shopping Malls, Wohnhäuser, Industrieparks, Golfplätze etc. verbraucht (in Österreich allein 20 Hektar pro Tag!), dass viele bereits von einem “Peak Soil“ sprechen. Und das restliche Land konzentriert sich zunehmend in der Hand von wenigen Großunternehmern, die nur Interesse am schnellen Profit haben, den Boden industriell ausbeuten, also mittelfristig durch Dünger und Pestizide zerstören – (Um die Dimension dieses Prozesses besser einschätzen zu können, sollte man vielleicht noch wissen, dass sich generell nur rund ein Zehntel der nicht von Meer bedeckten Landmassen überhaupt für eine landwirtschaftliche Nutzung eignen).

Diese Entwicklung wurde bei der SoliLa!-Pressekonferenz am Freitag (bei der ein gefakter Stadtrat Ludwig als Zeichen derDSC_0147 Solidarität ein Pflänzchen in den Boden setzte) von zwei Seiten bestätigt. „Bei uns wurden die Flächen verbraucht, indem Autobahnen gebaut worden sind. Da benötigt zum Beispiel allein ein Kreuzungsnetz 100 Hektar Ackerland“, erzählte Maria Vogt, Kleinbäuerin und Mitglied der ÖBV Via Campesina. Mit der Autobahn kamen große Einkaufszentren, welche der kleinstrukturierten Versorgung der Region stark zusetzten. Und jene Bauern, die durch den Landverkauf für die Autobahn viel Geld lukriert hatten, vergrößerten mitunter ihre Betriebe, indem sie kleinere „schluckten“.

Dieser Prozess ist europaweit im Gange, ergänzte Franziskus Forster von Agrar Attac, Mitautor einer aktuellen Studie zu Landkonflikten in der EU: „Europaweit kontrollieren mittlerweile drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe 50 Prozent der Agrarflächen. Und das ist nicht der Status Quo, sondern es verschärft sich gerade massiv. Das ist eine Zahl, die ist vergleichbar mit Zahlen aus Ländern wie Kolumbien oder den Philippinen.“

Das Land soll denen zur Verfügung stehen, die es auch bewirtschaften, forderte eine Aktivistin von SoliLa!. „Im Moment gibt es auf dieser Fläche keine Widmung, es ist eine Bausperre verhängt, um den Stadtentwicklungsplan hier dann als Ganzes im gesamten Donaufeld umzusetzen. Und das bedeutet eine Verbauung dieses fruchtbaren Bodens. Dagegen wehren wir uns.“ Sie wollen, dass diese landwirtschaftlich wertvollen Flächen erhalten bleiben. – Ein vorläufiges KompromissAngebot: Eine Zwischennutzung der besetzten und seit Jahren ungenutzten Fläche, bis es konkrete Bauvorhaben gibt.

DSC_0058Dass sich das Interesse an Ernährungssouveränität nicht gegen das an leistbarem Wohnraum ausspielen lässt, bekräftigte eine Sprecherin der Initiative „Wilder Wohnen“: „An dieser Fläche wird deutlich, wie die Politik eigentlich auf zwei Ebenen an den Bedürfnissen der Stadtbewohnerinnen vorbeiarbeitet. Sowohl das Dach über dem Kopf als auch das Essen am Teller wird in Wien aktuell nicht dem Bedarf entsprechend verhandelt, sondern der Dynamik von Marktlogik und Profitstreben überlassen.“

Mehr und Aktuelles auf: http://solila.blogsport.eu/

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2 Responses to “SoliLa!-Landbesetzung – Hintergründe”
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  1. […] (Der Bericht über den nicht-satirischen Teil der Pressekonferenz: HIER) […]

  2. […] (auch im niedrig rangigen Straßennetz) und fördert damit mehr Verbrauch fossiler Brennstoffe. Jede Autobahn frisst gutes Ackerland in der Nähe von Ballungsräumen, das nach der Versiegelung niemensch mehr ernähren […]



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